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Ratsherrliches Engagement in Zeiten der Not

Außerplanmäßige Versorgungsmaßnahmen des Osnabrücker Rates während der Ernährungs- und Wirtschaftskrise der Jahre 1771/1772

Abb. 1: Der Spendenaufruf des Osnabrücker Rates vom 21.2.1772 in der Beylage zum 8ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 22.2.1772 (Foto: NLA OS Dep 3 b VIII Nr. 137).

Die Ereignisse der 1770er-Jahre stellten den Osnabrücker Rat vor enorme Herausforderungen: Ganzjährig andauernde, extreme Feuchtigkeit sowie bis ins Frühjahr auftretender Frost und Schneefall sorgten in Mitteleuropa für minderwertige und äußerst geringe Ernteerträge. Erstmals bemerkbar machten sich die Folgen im Spätsommer 1769 und aufgrund der anhaltenden anomalen Wetterverhältnisse potenzierten sich die Effekte in den beiden darauffolgenden Jahren.[1] So fielen auch im Hochstift und in der Stadt Osnabrück die Erträge 1770 deutlich schlechter aus als in den Vorjahren, ihren Höhepunkt erreichte die Krise dann im Sommer 1772, kurz vor der Ernte.[2] Unterdessen reichten die rund um die Stadt gewonnenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse schon in guten Zeiten nicht aus, um die Einwohner der Hasestadt vollständig zu ernähren, sodass dort immer wieder Preissteigerungen drohten. Dementsprechend führten die witterungsbedingten Ernteausfälle zu einer massiven Teuerungswelle.[3] Der Jahresdurchschnittspreis für Hafer erhöhte sich zwischen 1769 und 1772 um 100 Prozent, für Roggen um 72 Prozent und für Weizen um immerhin 40 Prozent.[4] Abgesehen von den potentiellen Versorgungsengpässen führten die Preissteigerungen häufig dazu, dass die Nachfrage nach anderen Dienstleistungen und Waren zurückging, sodass der Handel und die Märkte stagnierten.[5] Vor allem die Angehörigen der Unterschichten konnten sich in diesen Zeiten nicht mehr ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen: Jene, die sich vor der Krise gerade noch aus eigener Kraft hatten ernähren können, waren nun auf externe Unterstützung angewiesen und solche, die bereits vor der Teuerung auf zusätzliche Hilfe angewiesen gewesen waren, benötigten nun umfangreichere Beiträge. Gleichzeitig versuchten die Tagelöhner durch eine Erhöhung ihrer Arbeitsleistung, ihren Verdienst zu steigern – sie erreichten jedoch oft nur das Gegenteil: Es kam zu einem Überangebot von Arbeitskraft, sodass die Löhne sanken. In ihrer Not griffen die Betroffenen zu Ersatzprodukten wie Kräutern oder Wurzeln, um das Getreide zu strecken, oder sogar zu verdorbenem Korn; häufig waren Krankheit und Tod die Folge.[6]

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„Tod auf dem Friedenskongress“ – Ein Hörspiel von Studierenden der Universität Osnabrück

von Tessa Edwards

Im Februar 1648 befinden sich die Friedensverhandlungen zum Dreißigjährigen Krieg in ihrer Endphase. Auch in Osnabrück verhandeln die Kriegsparteien intensiv und noch scheint nichts gewiss. Was würde jedoch geschehen, wenn eine Verschwörung die Friedensbemühungen ins Wanken bringen würde…?

Dieses Szenario beschreibt das Hörspiel „Tod auf dem Friedenskongress“, welches im Sommersemester 2021, in Fortsetzung des Frühneuzeit-Lehrprojekts „HörWissen“ von Geschichtsstudierenden der Universität Osnabrück entwickelt wurde. Nun ist das Ergebnis zum Anhören online verfügbar. Die einzelnen Szenen des Hörspiels wurden von den teilnehmenden Studierenden des Seminars sowohl geschrieben als auch im Tonstudio mit Hilfe von studentischen Hilfskräften aus der Musikwissenschaft verklanglicht. Ziel war es, eine Geschichte zu entwerfen, für welche der Westfälische Friedenskongress den historischen Rahmen bildet. Auch die Geschichte beruht auf einem historischen Ereignis: der Ermordung des Osnabrücker Adligen Heinrich von Hetterscheids im Februar 1648. 

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„Dem Frieden ein Gesicht geben“ – Facetten eines Ausstellungsprojekts

2023 jährt sich der Abschluss des Westfälischen Friedensvertrages 1648 zum 375. Mal. Zu diesem Anlass bereiten das Forschungszentrum IKFN (Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit) und das Diözesanmuseum Osnabrück ein Ausstellungsprojekt in Osnabrück vor.  Der vom IKFN an der Universität Osnabrück ausgerichtete Workshop am 24. Oktober 2022 möchte Einblicke in die Vorarbeiten und inhaltlich-konzeptionellen Überlegungen der Ausstellung bieten, um die Ausstellungskonzeption zur Diskussion zu stellen und weiterzuentwickeln.

Das anlässlich des 375-jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens geplante Ausstellungsprojekt beabsichtigt, dem Frieden „ein Gesicht zu geben“, indem ausgehend vom Leben und Wirken der Gesandten der Kongressalltag in Osnabrück sowie dessen Auswirkungen auf das Leben der BürgerInnen thematisiert werden soll. Den Nukleus des Projektes bildet eine Ausstellung im Diözesanmuseum, die den Kongressalltag der Gesandten in Osnabrück illustrieren wird. Davon ausgehend wird sich das Ausstellungsprojekt in Form von Außenstandorten in die Innenstadt erweitern und den Kongressalltag an wesentlichen Handlungs- und Lebensorten der Gesandten wie dem Rathaus, den Kirchen und den Wohnquartieren veranschaulichen, um somit das historische Osnabrück als begeh- und erlebbares Exponat zu erschließen.

Der Workshop möchte dabei nicht nur die grundlegende Konzeption des Projektes vorstellen, sondern auch einen detaillierten Blick auf mögliche Exponate und Themen werfen. Daher sind sowohl ReferentInnen aus dem universitären Bereich als auch seitens städtischer KooperationspartnerInnen beteiligt, um Einblicke in ihre jeweiligen Vorarbeiten zu ermöglichen.

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Bad Pyrmont – ein Ort ohne Grenzen?

Interdisziplinäre Tagung am Forschungszentrum IKFN der Universität Osnabrück vom 28. bis 30. September 2022.

Allee in Bad Pyrmont, in: Marcard, Heinrich Matthias: Beschreibung von Pyrmont. Teil 1, Leipzig: Weidmann 1784. Zur Verfügung gestellt von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.
Allee in Bad Pyrmont, in: Marcard, Heinrich Matthias: Beschreibung von Pyrmont. Teil 1, Leipzig: Weidmann 1784. Zur Verfügung gestellt von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Kur- und Badeorte haben eine Bedeutung über die bloße Regeneration und physische Heilung hinaus. Die unterschiedlichen Funktionen eines Kurortes rücken diesen in das besondere Interesse der Aufklärungsforschung. Im nordwestdeutschen Raum hatte Bad Pyrmont eine besondere Stellung inne: Hier ergab sich die Möglichkeit für Geselligkeit, das Flechten von Beziehungen oder auch für (politische) Verhandlungen. Zahlreiche Persönlichkeiten, darunter Könige, hohe Staatsmänner, Künstler und Intellektuelle, kamen im Kurort zusammen und erfreuten sich an der von Johann Christian Kestner betitelten „Brunnenfreiheit“, sodass sich Bad Pyrmont zu einem Kommunikationszentrum der Aufklärung entwickelte. Die vom Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit geplante sowie vom Land Niedersachsen geförderte Tagung nimmt speziell den Ort Bad Pyrmont als Zentrum des Austausches, der Geselligkeit und der Inspiration im Zeitalter der Aufklärung in den Blick. Dabei darf natürlich auch die besondere Verbindung von Justus Möser und seiner Tochter Jenny von Voigts zum Kurort nicht fehlen.

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Ein Blick in die Geschichte der Armut – Geschichtsstudierende präsentieren digitale Ausstellung zum Thema „Armut in der Frühen Neuzeit“

Wer gilt als arm und welche Leistungen stehen jenen zu, die in Armut leben? Dies sind Fragen, welche in der heutigen Gesellschaft immer wieder für Diskussionen und Kontroversen sorgen. Die Thematik von Armenfürsorge geht jedoch bis weit in die Frühe Neuzeit und darüber hinaus zurück, und damals wie heute galt es Lösungen zu finden. Doch welche Probleme gab es bei der Armenfürsorge und wie sahen die Lösungen für diese aus? Einen möglichen Einblick in diese Vorgänge bieten verschiedenen Schriftstücke, von obrigkeitlichen Verordnungen über Abbildungen von Bettlern bis hin zum Tagebuch eines Armen.

Gotteskasten aus der Gutskapelle Heiligenthal (Opferstock), 16. Jahrhundert. © Museum Lüneburg
Gotteskasten aus der Gutskapelle Heiligenthal (Opferstock), 16. Jahrhundert. © Museum Lüneburg

Unter dem Titel „Armut denken – Armut lenken. Drucke, Handschriften und Objekte erzählen aus der Frühen Neuzeit (1500–1800)“ haben Studierende der Geschichtswissenschaft an der Universität Osnabrück eine digitale Ausstellung zu verschiedenen Themen rund um Armut und Armenunterstützung erstellt. Fragen wie „Ab wann war jemand arm?“, „Wie sah die Armenfürsorge aus?“ und „Was waren die Grenzen der obrigkeitlichen Unterstützungen?“ wurden hierbei mithilfe einer Vielzahl von Altdrucken untersucht. Die Ausstellung ermöglicht es ihren Besuchern sogar, virtuell selbst einen Blick ins Buch zu werfen. Darüber hinaus können auch von den Studierenden produzierte Audiodateien angehört und zeitgenössische Bilder und Objekte wie der hier abgebildete Opferstock betrachtet werden.

Begonnen hat das Projekt bereits im Wintersemester 2020/21 unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Siegrid Westphal. Kooperationspartner waren die Universitätsbibliothek Osnabrück und das Forschungszentrum: Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN).
Die Studentinnen und Studenten des Projekts laden Sie nun herzlich dazu ein, sich die digitale Ausstellung unter www.ausstellung-armut-fnz.uni-osnabrueck.de anzusehen. Denn auch zur Stadt Osnabrück lässt sich in der Ausstellung einiges finden.