Exkursion des Historischen Vereins nach Bramsche und Kalkriese
Anfang Mai startete der Historische Verein sein Exkursionsprogramm 2026 mit einem Besuch der Werkstatt Torlage, dem Tuchmacher Museum in Bramsche sowie dem Museum Varusschlacht in Kalkriese.
Bramsches letzte Tuchmacher-Werkstatt
Die Tuchmacherwerkstatt Torlage ist die letzte private Tuchmacher-Werkstatt in Bramsche, die bis heute im Besitz der Familie Torlage ist. Die Werkstatt wurde 1946 errichtet und ist als vollständig eingerichtete, aber stillgelegte Wollwarenfabrikation erhalten geblieben. Sie bildet ein seltenes, nahezu unverändertes Zeugnis der lokalen Textilproduktion des 20. Jahrhunderts.
Abb. 1: Die Exkursionsgruppe in der vollständig erhaltenen Werkstatt Torlage in Bramsche (Foto: Thomas Brakmann)
Elf Generationen der Familie Torlage betrieben in Bramsche seit etwa 1600 das Tuchmacherhandwerk; die Werkstatt am Otterkamp ist der jüngste, privat betriebene Produktionsort dieser langen Tradition. 1946 bauten Wilhelm Hermann Torlage und sein Sohn Franz Rudolf Heinrich die Produktionsräume im Hof des Wohnhauses auf. Nach Auflösung der Innung wurde die Werkstatt weiterhin genutzt, später als Lohnweberei, und bis in die Lebenszeit von Heinrich und seiner Frau Gertrud Torlage gepflegt.
Exkursion in die Werkstatt Torlage, das Tuchmachermuseum Bramsche und das Museum Varusschlacht in Kalkriese
Samstag, 9. Mai 2026, 10.30 – 17 Uhr
Nachdem die Tuchmacherinnung ihre Produktionsstätte, das heutige Tuchmacher Museum, Anfang der 1970er Jahre aufgegeben hatte, endete die lange Tradition der Tuchherstellung in Bramsche. Eine Ausnahme bildete die Werkstatt der Familie Torlage. Bis heute ist das Wohn- und Arbeitshaus am Otterkamp, 1922 erbaut und 1946 um eine Weberei erweitert, unverändert und bewahrt seine ursprüngliche Atmosphäre. Neben der Besichtigung der Werkstatt Torlage steht auch ein kurzer Besuch des Tuchmacher Museums auf dem Programm.
Nach einer Mittagspause im Museum Varusschlacht wird dort die Sonderausstellung „Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos“ im Rahmen einer Führung besichtigt. Die einzigartige Ausstellung präsentiert mehr als 1.000 hochkarätige Objekte aus der Sammlung des Archäologischen Landesmuseums Schloss Gottorf, darunter Waffen, Ausrüstungsstücke, Alltagsgegenstände und einige außergewöhnliche Textilien aus Wolle. Die Funde stammen aus dem Thorsberger Moor und dem Nydam Moor, wo sie zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert niedergelegt wurden.
Treffpunkt: Werkstatt Torlage (eigene Anfahrt, genaue Adresse bei Anmeldung) Kosten: 15 Euro, Anmeldeschluss: 4. Mai 2026 Leitung: Ulrike Hindersmann und Ilka Thörner
Zu allen Veranstaltungen des Historischen Vereins ist eine Anmeldung – per Mail oder telefonisch – unbedingt erforderlich: E-Mail: info@historischer-verein-osnabrueck.de Telefon: 0541 3316214 Teilnahmegebühren überweisen Sie bitte auf folgendes Konto: IBAN DE22 2655 0105 0000 2126 13
Der Archivbestand „Schneideramt Bramsche“ findet Eingang in die Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs (NLA OS)
(Ein Beitrag von Rose Scholl)
„Daß keinmand an ihme etwas zu tadeln gefunden“ wird Johann Friedrich Latour zum Abschluss seiner Schneiderlehre im Jahr 1726 attestiert (NLA OS, Erw D 23,Akz. 2024/40 Nr. 9)
In der Zeit von 1585 bis 1779 erhielten acht Bramscher Handwerkssparten das hoheitliche Privileg, sich zu insgesamt fünf zunftmäßigen Vereinigungen zusammenzuschließen. Ihre Statuten (Amtsordnungen) regelten unter anderem die Aufnahme in die Institution, die Lehr- und Wanderjahre, die Qualität ihrer Produkte, die innere Organisation und die soziale Absicherung. Die Grenzen des Kirchspiels Bramsche galten als Bannmeile, in der die Mitglieder vor auswärtiger Konkurrenz geschützt waren.
Die Tuchmacher waren die ersten, und die Kramer und Schneider waren die zweiten in der Reihe, die 1585 bzw. 1615 mit Amtsrechten ausgestattet worden waren. Die weiteren Ämter sind das Bäckeramt, 1617 privilegiert, das Schuhmacheramt (1664) sowie das Tischler-, Weißgerber- und Hutmacheramt, das erst zu Justus Mösers Amtszeit 1779 sein Privileg erhielt.
Ob man sich mit der eigenen Familiengeschichte beschäftigt oder wissenschaftlich Kollektivbiografien analysiert – methodisch ist der Einstieg für beide Zielgruppen vergleichbar. Beide benötigen Grundlagenwissen, um genealogische Quellen in Archiven und in Datenbanken aufzuspüren und auszuwerten. Hierbei bietet der Familienforschungstag im Tuchmacher Museum Bramsche am Sonntag, 6. November von 12 bis 16 Uhr Hilfestellung.
Das Tuchmacher Museum in Bramsche
Zur Orientierung führen zwei Kurzvorträge in das weite Feld der Familienforschung ein. Zum Auftakt spricht Gabriele Fricke, Vorsitzende des Niedersächsischen Landesvereins für Familienkunde e.V., über „Familienforschung – gewusst wie!“. Udo Niemann verfolgt einen prosopographischen Ansatz. In seinem Vortrag „Jeder Mensch hat seine Geschichte. Ortsfamilienbücher als Spiegel des Lebens vergangener Zeiten“ widmet er sich den Bramscher Tuchmachern, deren letzte Generation vor 50 Jahren die Produktion am heutigen Museumsstandort einstellte.
Anschließend informieren von 13 bis 16 Uhr die Referenten sowie Archive und Institutionen aus der Region über die Möglichkeiten der Familienforschung und helfen bei individuellen Forschungen sowie beim Entziffern historischer Dokumente aus dem Familienarchiv. Der Niedersächsische Landesverein für Familienkunde e.V. erklärt die wichtigsten Datenbanken und bietet Recherchemöglichkeiten an. Bei Udo Niemann kann man Ortsfamilienbücher aus Bramsche, Engter, Vörden, Neuenkirchen, Alfhausen, Rieste und Gehrde einsehen. Das Diözesanarchiv Osnabrück bietet Unterstützung bei der Suche nach katholischen Vorfahren an und erläutert die Zugangsmöglichkeiten zu den Kirchenbüchern katholischer Pfarrgemeinden. Dass Sterbebücher schon 30 Jahre nach der Beurkundung in Archiven zugänglich sind, ist eines der Details über Standesamtsunterlagen, die man am Stand des Niedersächsischen Landesarchivs, Abteilung Osnabrück, erfahren kann. Der Arbeitskreis Familienforschung Osnabrück e.V. informiert u. a. über die personengeschichtlichen Quellen aus dem Fürstbistum Osnabrück. Welche Familiennachrichten man im Bramscher Zeitungsarchiv finden kann, erläutert der Heimat- und Verkehrsvereins Bramsche e.V. Weiterhin unterstützt die Stadtbücherei Bramsche den Familienforschungstag. Und wer alte, vermeintlich unleserliche Familienpapiere besitzt, kann sich beim Lesen mitgebrachter Dokumente helfen lassen.
Tuchmacher Museum Bramsche, Ausstellung und Begleitband
„Das Tuchmacheramt zu Bramsche hat sich durch seine gute, treue und fleißige Arbeit seit kurzen Jahren dergestalt hervorgetan, dass es die größte Aufmerksamkeit und alle Unterstützung verdient“, schreibt Justus Möser 1766 in den Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen. Bei allem Lob für ihre solide Handwerkskunst legt Möser doch gleich in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu den Bramscher Tuchmachern den Finger in die Wunde, wie Museumsleiterin Kerstin Schumann in ihrem Vorwort erläutert: Die Wolle, mit der sie ihre Tuche weben, ist zu grob, mit auswärtigen Waren aus der feinen, spanischen Wolle können sie nicht konkurrieren: „Die Leute sind Goldarbeiter und sie haben nur Messing“.
Merinoschaf, „Belier merinos. Dessine d’apres nature par Huet fils Peintre du Museum d’Histoire Naturelle“, Merinoschaf (Bock), Lithographie nach Nicolas Huet (1718–nach 1788), Wellcome Library, London, Nr. 40091i. Fotonachweis: Wellcome Library, London, Wellcome Collection. Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Sein Versprechen um Aufmerksamkeit und Unterstützung löste Justus Möser den Bramscher Tuchmachern gegenüber ein. Über 30 Jahre kümmerte er sich um die Entwicklung ihres Gewerbes. Das Bramscher Lagerhaus, das die Tuchmacher mit günstiger Wolle in guter Qualität versorgte und den Verkauf der Tuche zu einem angemessenen Preis ermöglichte, geht auf Mösers Initiative zurück. Doch welche Vorstellungen verfolgte er – und welche die Bramscher Tuchmacher?